Vortrag von Herrn Wiedemann aus Karlsruhe zum Thema asiatische Hornisse

Herr Wiedemann war an diesem Abend aus Karlsruhe angereist und referierte über seine Erfahrungen mit der asiatischen Hornisse. Herr Wiedemann war bei der Branddirektion seit 2014 Hornissenfachberater und als die asiatische Hornisse vor ca 10 Jahren im Badischen auftauchte einer der ersten der sich intensiv mit der Bekämpfung dieser invasiven Art beschäftigte. Um eine gezielte Arbeit gegen diese Hornisse zu gewährleisten ist es wichtig die Lebensweise diese Art zu kennen. Einige wichtige Eckdaten konnten wir in diesem Vortrag hören:

  1. Die Hornisse ist auch bei niedrigen Temperaturen aktiv, d.h. schon im zeitigen Frühjahr fliegen die Königinnen aus auf der Suche nach einem Platz für das Primärnest. Im Herbst sind die Tiere auch bei Temperaturen knapp über Null Grad noch zahlreich unterwegs und räubern schwache Bienenvölker aus (Absperrgitter im Spätsommer am Einflug!)  
  2. Die Einflugöffnung befindet sich seitlich am Nest (bei der europäische Hornisse unten).
  3. Das Sekundärnest wird meistens im Laufe des Sommers hoch in exponierten Bäumen errichtet. Bevorzugt in der Nähe von Siedlungen oder an Waldrändern. Sehr wenig im geschlossenen Waldbestand.
  4. Am effektivsten ist die Entfernung der frühen Primärnester. Sie sind in meistens gut erreichbar und oft in Höhen bis 3m über dem Boden.
  5. Im Frühjahr Locktöpfe aufstellen um die Anwesenheit von asiatischen Hornissen zu erkennen (Glas mit Docht im Deckel. Gefüllt mit je einem Drittel Bier, süßem Weißwein und Himbeersirup)
  6. Die Ausbreitung im Herbst der begatteten Königinnen ist max. 20 km im Umkreis.
  7. Es können bis zu 500 neue Königinnen aus einem starken Nest gebildet werden. Die Begattung findet außerhalb des Nestes statt. Die begattete Königin kommt nicht zurück in das Nest und sucht sich einen Überwinterungsplatz oft in unmittelbarer Nähe des alten Nestes.
  8. Die Ausrichtung des Ausflugloches bestimmt wesentlich die Flugrichtung der Arbeiterinnen. Die Jagdentfernung beträgt selten mehr als 1,5 km.
  9. Auf der Suche nach den Sommernestern empfiehlt es sich einzelne Tiere zu markieren und ihre Flugzeit bis zur Rückkehr zu messen. Als Faustregel gilt: Flugzeit in sec mal 5,5, geteilt durch 2 ist ca Entfernung in Metern. Flugrichtung beobachten und Messung von einem anderen Standort wiederholen (gefangenes Tier fliegen lassen und Flurrichtung beobachten) Ermöglicht Kreuzpeilung.
  10. Verschiedene Bekämpfungsmethoden sind z.Z. in Nutzung. Die Nester mit Aktivkohle oder mit Heißdampf mittels einer Lanze „beimpfen“. Nur von ausgebildeten Kräften zu empfehlen. Daher gefundene Nester unbedingt melden. https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden

Vorsichtsmaßnahmen: Die Tiere reagieren sehr aggressiv bei Erschütterungen des Nestes und Behinderungen des Einflugbereiches. Keine eigenmächtigen Nestentfernungen. Bei Stichen ruhig bleiben. Sofortmaßnahmen bei mehreren Stichen oder allergischen Reaktionen sind unter anderem:

Rettungsdienst rufen

Enge Kleidung entferneBei Schocksymptomen: Schocklagerung (Füße hoch in Rückenlagerung)

Stachel entfernen

Fazit: Diese neue Art erzeugt wesentlich mehr Individuen pro Nest als die bekannte europäische Hornisse. Ihr Beutespektrum umfasst in besonderem Maße die Honigbienen und ist deshalb für die Imker eine neue Herausforderung. Daneben ist sie eine erhebliche Bedrohung auch für viele andere Insekten. Aufgrund der Siedlungsnähe und der hohen Zahl der Tiere besteht auch erhöhte Gefahr durch Stiche für Menschen. Es ist Aufgabe für die Zukunft durch gezieltes Monitoring und Erfassen der Nester die weitere Entwicklung im Auge zu behalten und daraus Bekämpfungsmaßnahmen abzuleiten. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und das Bereitstellen von Material und Ausbildungsmöglichkeiten müssen Teams vorgehalten werden die in der Lage sind die Nester zu beseitigen. Die effektivste Maßnahme bleibt das Wegfangen der Königinnen im Frühjahr und das Beseitigen der Primärnester.   

MV April- asiatische Hornisse

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